Die USA, Venezuela und das neue Ölzeitalter.

Die USA, Venezuela und das neue Ölzeitalter.

Was am 3. Januar in Venezuela passierte, läutet ein völlig neues Kapitel in der Weltpolitik ein. Mit der militärischen Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte, wird der Völkerrechtsbund nicht nur infrage gestellt: Es zeigt auch, dass der Unilateralismus wieder stärker in den Fokus rutscht und der Multilateralismus, den wir seit 1945 aufgebaut haben, wieder weiter in den Hintergrund rutscht. Für Trump und sein USA zählen nur seine Interessen. Auch wenn oft die Drogenbekämpfung als Rechtfertigung herangezogen wird, so dürfte jedem klar sein, dass es um das Öl geht.

Das wird alleine dadurch schon deutlich, dass offensichtlich mehrere CEOs von Ölkonzernen im Vorhinein über den Angriff informiert wurden, aber nicht der Kongress.

In der Regel versuche ich, die Politik auszublenden und mich auf die Börse zu konzentrieren, allerdings wird die Börse oft von politischen Entscheidungen beeinflusst, welche manchmal weniger Einfluss haben, und manchmal mehr. Da es hier meiner Meinung nach nicht nur um Venezuela geht, sondern wir hier die Umsetzung eines geopolitischen Plans sehen, müssen wir uns hier allerdings etwas mit der Politik beschäftigen, um zu verstehen, warum alles so kam und kommen könnte.

In diesem Beitrag werde ich euch also nicht nur genau erklären, welche Aktien jetzt profitieren könnten, sondern auch, was Trump vermutlich vorhat und welche Aktien in Zukunft noch profitieren könnten. Allerdings muss man dazu auch die Tragweite dieses Angriffs verstehen.


Die Vorgeschichte:

Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela waren über Jahrzehnte von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt. Venezuela lieferte das schwere Rohöl und die USA raffinierten es mit ihrer Technik. Das ist der Grund, warum so viele Raffinerien in den USA direkt gegenüber von Venezuela liegen.

Unter Hugo Chávez (dem Vorgänger von Maduro) kam es aber schließlich zum Bruch der Beziehungen. 2007 wurden z. B. Exxon Mobil und ConocoPhillips enteignet.

Erst nach langen Sanktionen stellte sich wieder Besserung ein, und so war Chevron der einzige Konzern, der eine Ausnahmegenehmigung erhielt, um Öl zu fördern.


Aktuelle Lage:

Schließlich kommen wir zum „Jetzt“. Durch die Festnahme von Maduro hat sich der Status quo radikal geändert. Wie mittlerweile bekannt ist, soll Venezuela erst einmal unter einer US-geführten Übergangsregierung. Aktien wie Chevron und PBF-Energy schossen sofort in die Höhe, denn diese profitieren direkt.

Trump will an das Öl, und Chevron hat bereits Präsenz in Venezuela durch das Sonderabkommen von 2022. PBF Energy hingegen hat in den USA direkt gegenüber Raffinerien, die perfekt auf das schwere venezolanische Rohöl ausgelegt sind. Wenn die Importmenge steigt, profitiert PBF direkt, weil sie das Öl nicht mehr aus Kanada kaufen müssen.

Gleiches gilt für Valero, allerdings sind diese größer, wodurch die Bedeutung nicht so groß ist.

Wie zu erwarten war, verurteilen Russland und China diesen Schritt massiv. Beide Staaten hatten Venezuela mit Milliardenzahlungen unterstützt. Für China und Russland war das Land der strategische Brückenkopf in der westlichen Hemisphäre. Besonders China profitierte von dieser Beziehung. Da Venezuela sehr viele Schulden bei China hat, wurden diese Schulden regelmäßig mit Öl finanziert. Jetzt, da die USA die Kontrolle über die Ölfelder haben, bleibt es ungewiss, ob China weiterhin diese Mengen bekommen kann, und wenn ja, zu welchem Preis.


Der Ukraine Krieg:

Trump schaffte sich dadurch also ein Machtinstrument, das schon sehr lange geplant war. Den durch die Initiative „Drill baby Drill“ führt er mit Venezuela im Grunde nur das weiter, was er zum Anfang seiner Amtszeit schon angekündigt hatte.

Denn das Ziel der USA ist nicht einfach, die Ölfelder zu kontrollieren, sondern sie wollen die Energiedominanz haben. Als der Krieg in der Ukraine begann, schraubte die USA ihre Schieferölproduktion nach oben, um das Loch, das im Ölmarkt entstanden war, zu schließen. So schaffte es die USA, ihren Marktanteil extrem zu steigern. Venezuela ist nur der nächste Dominostein, der in dieser geopolitischen Strategie gefallen ist.

Venezuela verfügt über ca. 300 Milliarden Barrel Öl, das sind 17 Prozent des gesamten Vorrats der Welt. Zusammen verfügen die USA also jetzt über 20 % der weltweiten Ölreserven.

Durch diesen Angriff hat sich die USA also einen Zugriff auf größere Ölreserven gesichert, als Saudi-Arabien hat.

Das stellt einen unglaublichen Hebel für die USA dar. Denn durch die Förderung können sie den Ölpreis massiv beeinflussen. Russland könnte so an den Verhandlungstisch gezwungen werden, da diese von hohen Ölpreisen abhängig sind. Fällt der Preis unter 50 USD, wäre Russland ruiniert und könnte den Krieg nicht weiterführen.

Selbst russische Milliardäre wie Oleg Deripaska warnten bereits öffentlich davor, dass so etwas passieren könnte, wenn die USA die Ölreserven kontrollieren könnten.

Statt also militärisch zu reagieren oder zu drohen, kann Trump einfach den Ölpreis drücken, als eine Art Soft Power also.

Zwar ist anzunehmen, dass die Cyberangriffe dadurch zunehmen werden, da Russland nicht direkt intervenieren kann, muss es das also verdeckt machen. Dennoch wird Russland diesen Prozess höchstens verlangsamen können.


Der China-Hebel:

Für China ist es ähnlich problematisch. Wie oben schon gesagt, floss in den letzten Jahren viel venezolanisches Öl nach China, um die Schulden zu bedienen. Jetzt, wo die USA Venezuela kontrollieren, kontrollieren sie auch den Ölhahn. Und hat auch gleichzeitig die Hand auf den Schulden. China muss also jetzt nicht nur um das Öl fürchten, sondern auch um die Begleichung der Schulden.

Trump kann China also vorschreiben, zu welchen Bedingungen sie dieses Öl kaufen dürfen (oder eben nicht)

Besonders im anhaltenden Zollstreit ist das ein gewaltiger Trumpf.

Langfristig bedeutet das, dass sich China noch schneller unabhängig machen muss, da das Land einen unglaublichen Ölhunger hat. Sie werden also noch schneller auf erneuerbare Energien umrüsten, und auf Russland ausweichen.

Das alles könnte allerdings schwierig werden, da die Ukraine immer mehr russische Raffinerien ins Visier nimmt. Zwar hat sich die Aufklärung der Ukrainer stark verbessert, dennoch wäre ein Angriff auf Raffinerien im Hinterland Russlands ohne US-Aufklärung kaum möglich. Von diesem Punkt aus sieht es wirklich so aus, als ob es schon von langer Hand geplant worden wäre.


Das OPEC+:

Man sieht also, dass das Öl nicht länger nur ein Rohstoff ist, sondern ein zentrales Instrument von Trumps Außenpolitik.

Die OPEC+ war als Gegengewicht zu den westlichen Ländern gedacht, doch mit dem Verlust von Venezuela fehlt ihr ein wichtiger Partner.

In einer Dringlichkeitssitzung am 4. Januar 2026 haben die Kernmitglieder der OPEC+ beschlossen, die geplante Fördermengenerhöhung vorerst zu stoppen. Man will den Markt nicht zusätzlich fluten, solange unklar ist, wie schnell US-Firmen das venezolanische Öl tatsächlich fördern können.

Das zeigt die Nervosität, die herrscht. Saudi-Arabien befindet sich in einer Zwickmühle. Einerseits wollen sie stabile Preise für ihr Projekt Vision 2030, andererseits möchten sie sich nicht offen mit Trump anlegen.


Die Risiken:

Wie wir also gesehen haben, hat Trump mit einem Schlag Russland, China und die OPEC+ in die Defensive gedrängt. Doch dieses Vorgehen hat durchaus seine Tücken. Weltweit wird das Vorgehen hart kritisiert und als Bruch der Souveränität gesehen. Es könnte die Welt zum Schlechteren ändern, indem sich die Starken holen, was sie wollen, und die Schwachen unterdrücken.

Venezuela könnte instabil werden. Maduro-treue Milizen könnten Pipelines und Förderanlagen sprengen. Es könnte ein Bürgerkrieg entstehen, oder aber auch ein Syrien-Szenario aufkommen. All das würde die Investitionen von US-Firmen sofort vernichten.

Dazu ist Trumps Plan, mit der Ölmenge zu spielen, auch ein riskantes Spiel. Die USA müssen dabei einen Drahtseilakt hinlegen, um den Kurs weit genug zu drücken, um Russland zu schaden, aber nicht weit genug, um die Schieferproduktion im eigenen Land zu zerstören. Diese sind auf Preise zwischen 40-45 USD angewiesen.

Das Risiko dabei liegt vor allem bei Saudi-Arabien. Sollte es so kommen, wie ich es hier aufgezeigt habe, könnte Saudi-Arabien anfangen, einen neuen Ölkrieg anzufangen. Es erhöht also die Fördermengen, um andere aus dem Markt zu drängen. Ob es so kommt, ist schwer zu sagen. In der Vergangenheit hat Saudi-Arabien nicht hingenommen, so viele Marktanteile zu verlieren, und hat jeden Gegner ruiniert. Das konnten sie, weil die Förderkosten extrem niedrig sind. 2025 produzierte Aramco mit 3,5 USD pro Barrel.

Jetzt ist es aber so, dass Saudi-Arabien mit seiner Vision 2030 ebenfalls von hohen Ölpreisen abhängig ist. Vision 2030 kostet extrem viel Geld. Um die Kosten mit dem Öl zu decken, müsste der Ölpreis auf 90 USD steigen.

Wenn der Ölpreis fällt, ist das für Saudi-Arabien ein Problem. Sie werden zwar nicht pleitegehen, aber ihr Staatshaushalt würde extrem leiden.


Die Zukunft:

In jedem Fall, bis der Geopolitische Plan aufgeht und seine Wirkung zeigt, wird noch einiges an Zeit vergehen. Goldman Sachs schätzt, dass ein Hochfahren der Produktion mindestens bis Ende 2026 dauern wird, da die meiste Infrastruktur in Venezuela marode oder zerstört ist. Und selbst bis zu diesem Zeitpunkt dürfte die Produktion nur etwa bei 1,2–1,4 Millionen Barrel pro Tag liegen. Bis 2028 könnte die Förderung auf 1,5–1,8 Millionen steigen, wodurch wir also wieder beim Vorkrisen-Niveau wären. Wenn es zu einem Vollausbau kommt, dann zieht sich dieser vermutlich bis ins Jahr 2040 hin und würde laut Schätzungen von Rystad Energy etwa 183 Milliarden USD betragen.


Aktien, die profitieren, der Best Case:

Jetzt aber zu den Aktien, die von diesen Entwicklungen profitieren dürften.

Szenario A: Der „Trump-Venezuela-Deal“ klappt

Ziel: Profitieren von sinkenden Ölpreisen, steigender Produktion und US-Dominanz.

Raffinerien: (PBF Energy WKN: A1J9SG/Valero WKN: 908683/Phillips 66 WKN: A1JWQU/Marathon Petroleum WKN: A1JEXK) 

Warum: Sie sind die größten Gewinner. Sinkende Rohölpreise bei gleichzeitigem Zugang zu günstigem venezolanischem Schweröl lassen die Margen („Crack Spreads“) explodieren.

Ölfeld-Dienstleister: (SLB WKN: 853390/Halliburton WKN: 853986/Baker Hughes WKN: A2DU77)

Warum: Egal wie niedrig der Ölpreis ist – um die venezolanischen Felder überhaupt wieder zum Laufen zu bringen, müssen Milliarden in Technik fließen. Diese Firmen werden für den Wiederaufbau bezahlt, nicht für das Öl selbst.

Transport & Fluggesellschaften: (z.B. Delta Airlines WKN: A0MQV8/United WKN: A1C6TV/TechnipFMC WKN: A2DJQK/Enterprise Products Partners WKN: 915716) 

Warum: Ein fallender Ölpreis senkt die Kerosinkosten massiv. Diese Aktien wirken oft wie ein inverser Hebel zum Ölpreis.

Konsumgüter & Einzelhandel (Amazon WKN: 906866/Walmart WKN: 860853):

Warum: Niedrigere Benzinpreise an US-Tankstellen lassen den US-Konsumenten mehr Geld für Einkäufe. Das stützt die US-Binnenwirtschaft.

5. Cybersicherheit: (Crowdstrike WKN: A2PK2R/Fortinet WKN: A0YEFE/Palo Alto Networks WKN:A1JZ0Q)

Warum: Russland und China können nicht direkt intervenieren, also werden sie versuchen, die Infrastruktur mit Hacks zu zerstören. Das ist allerdings weit gedacht. Cybersicherheit profitiert generell von unsicheren Zeiten.


Szenario B: Der „Worst Case“ – Sabotage & Bürgerkrieg

Ziel: Absicherung gegen explodierende Ölpreise, politische Instabilität und Lieferstopps.

  1. Exploration & Produktion (E&P) außerhalb Venezuelas (z.B. Diamondback Energy WKN:A1J6Y4/EOG Resources WKN: 877961/Suncore WKN: A0NJU2):
    • Warum: Wenn Venezuela als Lieferant ausfällt oder Pipelines gesprengt werden, schießt der Ölpreis Richtung $100+. Davon profitieren Firmen, die im sicheren Texas fördern und keine Infrastruktur in Krisengebieten haben. Kanadische Firmen werden wieder interessant. Diese dürften mit Venezuela sehr leiden, weil das Öl dort billiger ist.
  2. Gold & Edelmetalle (Barrick Gold WKN: 870450/GLD ETF):
    • Warum: Der klassische „Safe Haven“. Ein offener Konflikt in Südamerika unter Einbeziehung von US-Truppen führt zu Flucht in Sachwerte, das sahen wir ja bereits 2025.
  3. Rüstungskonzerne (Lockheed Martin WKN: 894648/Northrop Grumman WKN: 851915):
    • Warum: Ein „Syrien-Szenario“ in Venezuela bedeutet jahrelange US-Militärpräsenz, Schutz von Pipelines durch Drohnen und Überwachungstechnik.
  4. Short-Positionen auf PBF Energy:
    • Warum: Wenn die venezolanischen Häfen brennen, bekommt PBF kein Öl. Die Aktie würde die gesamte „Hoffnungs-Prämie“ der letzten Wochen verlieren. Ein Put-Optionsschein auf PBF wäre hier die direkte Absicherung.

Die nicht genannten Aktien sind hier die Ölkonzerne wie Chevron, ExxonMobil oder auch Shell. Alle profitieren von Venezuela, sind aber in diesem Fall eher eine konservative Wette, da es sie nicht belasten sollte, falls es scheitert. Für sie macht Venezuela nur einen kleinen Teil aus.

Eine weitere Wette, die aufgehen könnte, wäre noch Exxon Mobil und ConocoPhillips. Da diese in der Vergangenheit enteignet wurden, könnte Trump hier einen privilegierten Zugang verlangen, oder dass die Enteignungsschulden eingetrieben werden, was etwa 12 Mrd. Dollar sein dürften.


Fazit:

1. Die neue „Energie-Doktrin“

Unter Trump haben die USA den Schritt von der Energieunabhängigkeit zur Energiedominanz vollzogen. Die Kontrolle über die venezolanischen Reserven (303 Mrd. Barrel) bricht das Monopol der OPEC+ und zwingt Rivalen wie Russland und China in die Defensive. Venezuela fungiert nun als „regulierbares Ventil“ der USA, um den Weltmarktpreis zu steuern.

2. Der wirtschaftliche Hebel

  • Kurzfristig: Profitiert die Wall Street von der „Hoffnungs-Rallye“? Firmen wie Chevron und PBF Energy sind die Vorreiter, während Cybersicherheitsfirmen als digitale Schutzschilde unverzichtbar werden.
  • Langfristig: Hängt alles am Erfolg des Wiederaufbaus. Schätzungsweise 180 Milliarden USD müssen in die marode Infrastruktur fließen. Gelingt dies, könnte der Ölpreis dauerhaft unter 50 USD gedrückt werden, was die globale Inflation senkt, aber die US-Schieferölproduzenten unter Druck setzt.

3. Das Restrisiko: Sabotage und Geopolitik

Das größte Hindernis für den Erfolg ist nicht die Technik, sondern die Stabilität. Ein „Syrien-Szenario“ mit Sabotageakten durch Maduro-treue Milizen oder verdeckten Operationen Russlands könnte die Ölfelder in brennende Investitionsruinen verwandeln. In diesem Fall würden die sicheren Häfen wie Gold und Rüstung die einzigen Gewinner sein.