Was ich als Trader gerne früher gewusst hätte

Was ich als Trader gerne früher gewusst hätte


1. Sei Geduldig:

Wenn du mit dem Trading gerade erst angefangen hast, wirst du schnell merken, dass sich der Kurs nicht immer so verhält, wie du es gerne hättest. Noch schlimmer ist es aber, wenn er es in etwa doch tut. Wenn du eine saubere Strategie aufgebaut hast und auf deine Chance für den Einstieg wartest, wird es oft vorkommen, dass sich der Kurs in deine Richtung bewegt, also zu deinem Einstieg hin, nur um dann, wie von Zauberhand, sich kurz vor dem Einstieg wieder wegzubewegen. Hier reagieren die meisten Trader falsch, indem sie nicht per Buy-Order einsteigen, sondern das Ganze jetzt über den Marktpreis machen. Sie haben Angst, den Einstieg sonst zu verpassen, und rennen dem Kurs deshalb lieber nach.

0,3 % über dem eigentlichen Einstiegskurs zu kaufen, mag verkraftbar sein, allerdings vernichtet es jedes Moneymanagement. Die Trades werden unsauber, weil man sich nicht an seine Regeln hält. Das heißt, man hat ein Disziplinproblem.

Wenn der Trade schiefgeht, hat man 0,3 % mehr riskiert, als man eigentlich vorhatte. Das mag bei einem Trade nicht auffallen, allerdings machst du als Trader hunderte über das Jahr verteilt. Das summiert sich dann gewaltig, wenn man bedenkt, dass es nicht nur deinen Verlust vergrößert, sondern auch deinen Gewinn schmälert.

Versuche deshalb, geduldig zu sein, und renne den Kursen nicht hinterher. Es wird Trades geben, bei denen du den Einstieg dadurch verpasst, aber langfristig wirst du damit besser abschneiden, als wenn du immer zu viel bezahlst.


2. Das Einzige, was du kontrollieren kannst, ist das Risiko:

Richtiges Moneymanagement ist das A und O im Trading. Es gibt Hunderte von verschiedenen Arten, den Verlauf eines Kurses zu prognostizieren. Dabei kann man auch oft sehr zuverlässig das Kursziel bestimmen. Sicher ist es allerdings nie. Das Einzige, was du weißt, und wissen musst, bevor du in einen Trade gehst, ist, wie viel du verlieren kannst. Wie hoch ist mein Risiko? Zum Thema Moneymanagement habe ich bereits einen Artikel geschrieben, du findest ihn hier. In dem Beitrag zeige ich dir ganz genau, worauf es beim Moneymanagement ankommt.

Solltest du also nicht mehr als 1 % des Depots verlieren wollen, so ist ein Trade nur möglich, wenn du deine Positionsgröße änderst, oder das Risiko minimierst, was durch das Reduzieren des Preises möglich ist. Wir warten also, bis der Kurs in unsere Richtung geht.

Es ist eines der wichtigsten Dinge, die ich dir mitgeben kann. Alles kann im Trading passieren, du kannst nur das Risiko kontrollieren.


3. Ohne Strategie ist es Zocken:

Anders als im Casino hat man beim Traden eine 50/50-Chance auf einen Gewinn. Wer allerdings seine 50/50-Entscheidungen im Nachhinein immer bereut, der sollte sich eine Strategie überlegen, um das Haus zu schlagen.

Dabei geht es vor allem um Beständigkeit. Wenn man immer wieder dasselbe tut bei einer gewissen Situation, deren Chance bei 50/50 liegt, dann muss man statistisch gesehen in 5 von 10 Fällen richtig liegen.

Kombiniert man das jetzt noch mit einem vernünftigen Moneymanagement, das die Verluste begrenzt und die Gewinne laufen lässt, hat man schon eine vernünftige Strategie.

Wenn man allerdings ohne Strategie einfach zufällig auf fallende oder steigende Kurse setzt, wird man über kurz oder lang sein ganzes Geld verlieren.

Überlege dir also eine Strategie, die dich beim Traden unterstützt, bevor du damit anfängst. Das kann eine Weile dauern, lohnt sich aber. Welche Wege es gibt, eine Strategie zu entwickeln, und wie du am besten dabei vorgehst, findest du hier.


4. Die Psychologie ist das wichtigste:

Es gibt Leute, die sagen, man muss vollkommen verrückt sein, um mit Trading sein Geld verdienen zu wollen. Daran mag in mancher Hinsicht schon etwas dran sein. Tatsächlich denke ich aber, dass die meisten Trader die ausgeglichensten Personen der Welt sind. Als Trader muss man nicht nur die Psychologie der Massen verstehen, sondern besonders seine eigene. Denn im Grunde tradest du dich selbst.

Wenn du müde bist, gestresst, wütend oder traurig, dann wirkt sich das auf dein Trading aus. Dazu gibt es typische Tradingfallen, in die man gerät, weil sie einfach menschlich sind. Wer sie nicht kennt, der wird immer wieder in diese geraten, ohne sich dagegen wehren zu können. Auch Gier und Angst sind Treiber an der Börse, die man kennen muss.

Viele belächeln diesen Aspekt des Tradings immer noch, ich dagegen halte ihn für den wichtigsten Punkt im ganzen Trading. Wer mit diesem Thema nicht im Reinen ist, der wird über kurz oder lang scheitern.


5. Eine Strategie muss für dich passen.

Wer sich anfangs um eine Strategie kümmert, wird verständlicherweise zuerst bei anderen suchen, um überhaupt zu verstehen, worauf es dabei ankommt. Das ist auch völlig okay. Allerdings solltest du früher oder später damit anfangen, eigene Strategien zu entwickeln, um langfristig erfolgreich zu sein.

Eine Strategie ist wie ein Fingerabdruck. Es gibt viele, die ähnlich aussehen, aber keine gleicht der anderen. Jeder Trader, der eine Strategie entwickelt, kennt seine Stärken und seine Schwächen und versucht, diese in seiner Strategie einzubinden, bzw. die Schwächen zu eliminieren.

Es gibt etwa Trader, die nicht optimal damit umgehen können, wenn der Kurs vom Plus wieder ins Minus dreht. Deshalb entwickeln sie Strategien, um das größtenteils zu vermeiden. Solche Strategien sind dann meistens eher kurzfristig angelegt.

Wichtig ist am Ende nur, dass du dieser Strategie vertraust, und das kannst du am besten, wenn sie von dir entwickelt und getestet wurde. Denn die oben genannte Statistik kann auch gegen dich laufen. Sagen wir, du machst 100 Trades. Bei einer 50/50-Chance wären das 50 Trades, die gut gehen, und 50 Trades, die schiefgehen. Jetzt ist es aber durchaus möglich, dass die ersten 50 Trades Verlierer sind. Zugegeben, nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich. Wer jetzt eine Strategie hat, die ein anderer mal entwickelt hat, der wird sicher keine 50 Verlierer aushalten. Er wird lieber zu einer anderen wechseln, in der die Wahrscheinlichkeit wieder bei 50/50 liegt, bis er wieder verliert usw. Ich denke, du verstehst, worauf ich hinauswill.

Entwickle also deine eigene.

Wenn du das nicht kannst, weil du glaubst, dass du dich nicht genug einschätzen kannst als Trader, dann schau dir diese Fragen an, die dir bei der Entwicklung deiner Einschätzung helfen können.


6. Suche nach einer Strategie, die dir wenige Signale bringt, dafür aber hochwertige.

Ein weiterer Fehler, der gerne begangen wird, ist es, ein System zu entwickeln, das immer funktionieren soll. Das kommt besonders gerne bei statischen Systemen vor. Die Systeme werden so oft durch das Backtesting gejagt, bis jedes Signal sitzt und die Verluste nahe bei 0 liegen.

Für die Vergangenheit bringen die Systeme dann Top-Ergebnisse (übrigens nutzen das auch Bot-Entwickler gerne, um zu zeigen, wie gut ihre Trading-Bots sind), allerdings sagt das nichts über die Zukunft aus. Und da scheitern diese Systeme dann meistens kläglich, weil sie einfach jede noch so kleine Chance nutzen.

Ein System mit 70 % Trefferquote zu entwickeln, ist schon verdammt gut, mehr muss es nicht sein.

Versuche also, ein System zu entwickeln, das wenig Signale bringt, die aber hochwertig sind. Und vergiss nicht: Wenn du ein CRV von 1/3 hast, reicht auch locker eine Strategie mit 50 % Trefferquote.


7. Die Trefferquote ist egal, es geht um die Profitquote.

Auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken wirst du früher oder später auf Leute treffen, die dir eine Strategie verkaufen wollen, die 90 % Trefferquote hat. Da du ein Moneylaist-Leser bist, kannst du diese Post sofort ignorieren, denn diese Systeme sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrug.

So ein System zu bauen, ist ziemlich einfach. Deshalb hier mein 90 %-System.

Setze jeden Tag eine Long-Order auf den DAX. Denn Trake Profit setzt du auf +0,3 % Zugewinn. Den Stop-Loss setzt du auf –20 % Kursverlust.

Mit Sicherheit erreichst du dabei eine Trefferquote von 90 % oder sogar noch darüber. Aber macht dich das in den nächsten Jahren zum Millionär? Natürlich nicht. Im Grunde beschränkst du deinen Gewinn und lässt deinen Verlust laufen. Wenn du also einmal verlierst, vernichtet das 67 deiner Gewinn-Trades. Nicht unbedingt die beste Strategie, aber eine tolle Trefferquote.

Solltest du also wirklich überlegen, ein System zu kaufen, oder einen Bot, dann achte auf die Profitquote und nicht auf die Trefferquote.

Ignoriere aber dabei die absoluten Zahlen und konzentriere dich auf die täglichen Daten. Denn auch mit den Jahresdaten kann man Schabernack anstellen.

Wichtig sind die Profitquote und der Drawdown.


8. Setze dir realistische Ziele:

Durch die sozialen Netzwerke werden oft unrealistische Erwartungen geweckt. Manch einer mag den Eindruck gewinnen, dass man innerhalb eines Jahres Millionär werden kann. Das ist aber mit einem normalen Einkommen und einem vernünftigen Moneymanagement kaum möglich. Natürlich versucht man jeden Tag sein Bestes, aber es wird Tage und Wochen geben, wo einfach nichts funktioniert. Verlusttrades sind normal und sollten als Betriebsausgaben gesehen werden. Das bedeutet, dass man im Jahr vielleicht 100 % macht, aber davon auch einiges wieder verlieren wird.

Was realistisch ist, kommt auf die Art und die Häufigkeit des Tradings an. Durch manche längerfristige Strategien sind 27 % im Jahr durchaus ein guter Wert. Wer das mehrere Jahre halten könnte, würde schon zu den besseren Tradern gehören.


9. Ständige Weiterbildung:

Mit dem Bitcoin ist ein völlig neues Finanzinstrument entstanden, das es vorher noch nie gegeben hat. Das zeigt, wie wichtig der 9. Punkt ist. Immer wieder gibt es neue Instrumente, neue Strategien, neue Regulierungen, die den Markt nachhaltig verändern. Wer hier stehen bleibt, wird irgendwann abgehängt.

Es wird auch öfter vorkommen, dass eure Strategien nicht mehr funktionieren. Das ist durchaus normal. Man spricht hier von Strategie-Degradation. Das passiert besonders häufig bei Strategien, die von Tradern veröffentlicht werden. Durch ihre bloße Veröffentlichung verlieren sie ihre Wirksamkeit, weil sie zu viele Marktteilnehmer nutzen und andere gezielt gegen diese Strategien entwickeln, was dazu führt, dass sich die ganzen Marktbedingungen ändern.

Das bekannteste Beispiel ist wohl die Turtle-Strategie, die mit der Turtle-Soup-Strategie in ihrer Wirksamkeit zerstört wurde.


10. Trading-Tagebuch führen:

Um eine wirkliche Disziplin zu schaffen und eine gewisse Professionalität ins Trading zu bringen, ist ein Tagebuch unerlässlich. Hier sollte kurz beschrieben werden, wie der Markt heute aussieht, wie man sich fühlt und der gesamte Verlauf der Trades, die man an diesem Tag gemacht hat.

Wenn man am Wochenende dieses Tagebuch durcharbeitet, um seine Fehler zu finden und statistische Aussagen zu treffen, wird man merken, wie wertvoll dieses Tagebuch ist. Viele Fehler schleichen sich im Prozess des Lernens ein. Diese werden irgendwann so selbstverständlich, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes darüber stolpern müssen, um sie zu sehen. Dabei hilft ein Tagebuch.

Zum Beispiel könnte am Ende des Jahres auffallen, dass man die größten Verluste immer dann gemacht hat, als man den Stopp in einer bestimmten Situation nachzog, weil man dachte, es wäre sinnvoll, diese aber dann zu nahe dran waren.


Fazit:

Wer bis hierher gekommen ist, der ist möglicherweise wirklich verrückt genug, ein Trader zu werden, und spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass das Traden nicht einfach gemütlich auf der Couch nebenbei erledigt werden kann. Traden ist ein vollwertiger Beruf und dieser Beruf braucht Disziplin und eine Ausbildung.

Die Ausbildung kann man selbst übernehmen, aber es ist nichts, was in ein paar Wochen erledigt sein wird. Ich helfe dir mit dieser Website, das nötige Wissen zu finden. Verinnerlichen musst du es aber selbst.

Ansonsten gilt das Gleiche wie bei jeder Tätigkeit: Übung macht den Meister.