Der Montag begann gleich mal mit einem Hammer, nachdem am Wochenende mehrere namhafte Personen rund um KI ihre Bedenken hinsichtlich der KI‑Modelle zum besten gaben, darunter Elon Musk und Sam Altman. Auch der chinesische Geheimdienstchef warnte vor KI und sagte, dass diese Technologie in der Lage wäre, der Regierung gefährlich zu werden. Chinas Staatschef Xi fordert einen globalen Ordnungsrahmen, weist aber die Warnungen der USA zurück und will weiterhin Gas in der Entwicklung geben. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, das Ganze wäre nur ein gekonnter Trick der führenden KI‑Köpfe, um sich später aus der Verantwortung ziehen zu können. So oder so hat das Ganze nur wenig Chancen, beachtet zu werden. Die USA werden unter Trump auf keinen Fall ihre Vormachtstellung in KI gefährden wollen. China hat es gar als Versuch gewertet, ihre eigenen Ambitionen zu bremsen. Das zeigt auch schon ganz gut, wo das Problem an der ganzen Sache liegt. Solange es keine einheitlichen Regeln gibt, an die sich die ganze Welt wirklich hält, wird es keine Bremsen geben. Und dass so etwas passiert, ist mehr als unwahrscheinlich. Und so wird die Party erstmal weitergehen. Ob man das gut oder schlecht findet, wollen wir hier nicht bewerten. Wir sollten das Ganze aber auf jeden Fall im Auge behalten.
Auch wenn die Party weitergeht, sieht man bereits die ersten Risse in der KI‑Rallye. Alle Werte haben durch die Bank beinahe 10% an Wert verloren. Die Anführer der Rallye konnten sich besser erholen, dennoch bleibt ein Abschlag von 4–6 %. Die restliche Woche lief ähnlich volatil. Während es am Dienstag noch vergleichsweise ruhig war, gab es am Mittwoch weitere Bewegungen durch die FED, die ihre Zinsen anhob. Angesichts der Lage in der Welt sollte das nicht weiter verwunderlich sein. Es wurde aber darüber spekuliert, dass sich Kevin Warsh an Trump orientiert und dieser will die Zinsen unten haben. Ich war der Meinung, dass das nicht passieren wird, denn hätte Warsh die Zinsen gesenkt, so hätte die FED jegliche Glaubwürdigkeit verloren, was zu einem fatalen Zusammenbruch geführt hätte.
Letzten Endes kam es so, wie es erwartet wurde, und die Zinsen wurden um 0,25 Basispunkte angehoben. Die erste Leitzinserhöhung seit 3 Jahren. Am Donnerstag folgte dann die BoJ mit einer Zinserhöhung von ebenfalls 0,25 Basispunkten, wodurch die Zinsen in Japan mit 1,25% jetzt auf einem 31‑Jahreshoch sind.
Und weil das noch nicht reicht, war am Freitag noch der Hexensabbat, also der Tag, an dem Optionen und Futures verfallen.
Kommen wir also zu den Werten:
Infineon:
Das ist der eine Wert, der bei der KI‑Wette mitspielt. Obwohl er die letzten Monate schon extrem gelitten hat, hat ihn das nicht davon abgehalten, weitere 8% an Wert zu verlieren. Heute ist Infineon unter die 200-Tage-EMA‑Linie geschossen, weswegen ich die Aktie wieder verkauft habe. Damit habe ich allerdings zu lange gewartet, denn hier habe ich den Stopp in die Länge gezogen. Somit lag mein eigentlicher Stopp bei 14,72 € statt 15,97 €. Somit habe ich 125 € mehr verloren, als ich eigentlich vorhatte.

ServiceNow:
ServiceNow habe ich bereits letzte Woche gekauft, nachdem der Kurs schön zum alten Ausbruchsniveau zurückgekommen ist und sich dort an den 20er-EMA gehalten hat. In der ganzen Woche ist nicht viel passiert damit. Am Montag startete die Aktie durch und stieg um über 7 %. Ich habe aber nichts unternommen und die Aktie weiterlaufen lassen. Bis zum Freitag gab sie einen Großteil der Gewinne wieder ab und liegt jetzt wieder auf dem 20er‑EMA. Ich halte aber weiter an der Aktie fest, da sich der 50er-EMA gerade über den 200er‑EMA geschoben hat und wir somit ein Golden Cross haben. Allerdings ist das Ganze etwas riskant, denn wie man bei den anderen Trades noch sehen wird, gehen die Ideen nicht mehr auf, was auf eine Änderung des Marktes hindeuten könnte. Vielleicht liegt es aber auch an der Woche. So oder so musste mein Depot diese Woche einen schweren Schlag einstecken.
Amazon:
Eine andere Sache, die mir noch aufgefallen ist, ist, dass ich meine Regeln verletzt habe. Genauer gesagt sind sie immer weiter aufgeweicht. Da ich keinen festen Stopp habe und oft auf Schlusskurse schaue, benötige ich extreme Disziplin, diese Stopps auch zu nutzen. Diese Stopps werden vorher festgelegt, um bei dem jeweiligen Fall nicht in Versuchung zu geraten, doch noch irgendwie einen Grund zu finden, doch noch in der Aktie zu bleiben. Mein System lebt davon, enge Stopps zu fahren. Wenn ich das nicht tue, gerate ich schnell in die Unprofitabilität. Genau das ist auch diese Woche passiert. Mit Amazon fing es an. Ich halte sehr viel von der Aktie und sehe sie langfristig bullisch. Vielleicht hat auch das mit in diesen Fehler gespielt.
Genau genommen hatte Amazon meinen Stopp bereits am Mittwoch, den 9. September, verletzt, allerdings entschied ich mich dafür, die Aktie zu behalten, da es bei solchen Bewegungen oft zu Shake-outs kommt, bevor der Kurs nach oben durchzieht. Das kann weiterhin auch noch passieren, allerdings sollte man bei einem Shake-out nicht in der Aktie sein.
Danach zog die Aktie wieder an und stieg auf ein Hoch von 256 USD. Danach ging es aber wieder nach unten. Spätestens hier hätte ich die Aktie abstoßen müssen. Allerdings hielt ich sie weiter, bis sie meinen Stopp verletzte. Als das am nächsten Tag passierte, verkaufte ich die Aktie aber immer noch nicht. Stattdessen wartete ich einen weiteren Tag, als die Aktie schon bei 245 USD stand. Ich ging also die gesamte Bewegung nach unten mit, obwohl ich seit Montag eigentlich keinen Grund mehr hatte, in der Aktie zu sein. Das führte zu einem zusätzlichen Verlust von 11% in der Position. Eine solche Position lässt sich verkraften, aber wenn das öfter passiert, bin ich nicht mehr profitabel.
Robin Hood:
Robin Hood war noch verheerender. Ich blieb in der Konsolidierung, was man durchaus mal machen kann. Als die Aktie unten ankam, habe ich zugekauft, auch das kann man so machen. Die zweite Position war sehr stark gehebelt, da ich mir recht sicher war. Allerdings habe ich den Stopp extrem eng gesetzt, um meinen Verlust auf ca. 300 € zu begrenzen. Ca. 300 €, weil man das bei Zertifikaten nur sehr bedingt steuern kann. Ich muss darauf warten, bis mir der Emittent den Preis gibt.
Zuerst zog der Preis auch etwas an, fiel aber dann am Dienstag stark zurück und verletzte meinen Stopp. Dadurch, dass der Kurs sich aber so stark gefangen hat, habe ich beschlossen, die Position zu halten. Am nächsten Tag gab es weitere Abverkäufe, diese wurden aber nicht mehr zurückgekauft und ich stieg kurz vor dem 50er‑EMA aus. Das war mein Worst-Case-Szenario. Ich hatte auch keine Wahl mehr, da mein Zertifikat einen KO von 103 Dollar hatte. Also verkaufte ich bei 106 Dollar mit einem Verlust von 858 USD. Damit lag mein Verlust 500 USD höher, als ich eigentlich vorhatte. Damit summiert sich mein zusätzlicher Verlust auf knapp 1030 €. Allerdings sind wir noch nicht fertig.
Die zweite Restposition verkaufte ich beim Stopp von 2,93 € am nächsten Tag, also am Donnerstag. An diesem Tag merkte ich, dass bei mir etwas ganz und gar nicht mehr stimmt, und ich habe alle Positionen im Minus geschlossen. Einzig ServiceNow blieb bestehen.
Am Freitag passierte das, womit ich gerechnet hatte. Der Kurs von Robin Hood zog durch und stieg um 7,5 %. Aber die Börse belohnt einen nicht dafür, ob man recht hat. Es geht nur um das Timing, was bei mir das falsche war. Kombiniert mit schlechter Disziplin machte das meine Gewinne der letzten Wochen zunichte.
Nebius:
Leider merkte ich erst, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, nachdem ich meinen Trade bei Nebius gesetzt hatte.
Nebius bewegte sich vorbörslich extrem stark nach oben, fiel dann bei der Börseneröffnung in den USA aber stark nach unten. Innerhalb von Minuten fiel der Kurs von 8% auf noch 2% Plus. Ich bin kein Scalper und habe es nie gelernt. Das Einzige, was ich wusste, ist, dass Aktien oft zurückfedern, wenn die Börse öffnet, und dann wieder anziehen. Aber auf so etwas würde ich in der Regel nicht traden, da es kein fundiertes System ist. Doch genau das tat ich am Donnerstag.
Ich stieg bei Nebius bei 188,32€ ein mit 10.000 €, um schnellen Gewinn zu machen und in der Hoffnung, dass ich die Verluste der Woche wieder reinholen könnte. Als der Trade durchging, erkannte ich meinen Fehler. Ich stellte mir die Frage: „Habe ich den Trade gemacht, weil ich davon ausgehen kann, was passiert, oder weil ich mir wünsche, dass etwas Bestimmtes passiert, um meine Verluste zu verbessern?“ Als mir klar wurde, dass ich es wegen Letzterem gemacht habe, habe ich den Trade 16 Minuten später wieder geschlossen. Dabei habe ich 245€ verloren.
Anders gerechnet sieht es so aus: Wenn ich mich an meine Stopps gehalten hätte, dann hätte ich einen Verlust von 894,88 € gehabt. Da ich das aber nicht getan habe, beläuft sich mein realer Verlust auf 2245,88 €. Damit habe ich 1351 € mehr verloren, als ich eigentlich vorhatte. (Nebius ist bei den 894 € nicht dabei)
Demnach war das eine desaströse Woche für mich, die meinen gesamten Fortschritt zerstört hat.

