1. Einleitung
- Überblick über die Bedeutung von Fibonacci-Retracements in der Chartanalyse
- Ziel und Struktur des Berichts
2. Der Goldene Schnitt
- Mathematische Grundlage und die Geometrie
- Verbindung zur Fibonacci-Zahlenfolge
3. Die Fibonacci-Zahlenfolge
4. Bedeutung für die Chartanalyse
- Warum Fibonacci-Verhältnisse für Trader relevant sind
- Unterstützungs- und Widerstandsniveaus in Trends
5. Anwendung von Fibonacci-Retracements
- Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verwendung im Trading
- Kombinierbarkeit mit anderen Indikatoren
6. Zusammenfassung und Fazit
1. Einleitung:
Wer bisher nichts mit den Finanzmärkten zu tun hatte, der hat sicher kein Chartanalysetool im Sinn, wenn er etwas von Fibonacci hört. Denn die Fibonacci-Zahlenfolge ist viel älter als die Börse, wie wir sie kennen, und auch die Charts, die wir benutzen. Die Fibonacci-Zahlenfolge ist etwas Natürliches, etwas Angenehmes. Seit Jahrhunderten benutzt der Mensch diese Zahlenfolge bewusst oder unbewusst in der Musik, in der Architektur, oder auch in der Kunst. Selbst die Natur kennt die Zahlenfolge und nutzt sie in Strukturen wie zum Beispiel einer Muschel. Der goldene Schnitt, oder auch der göttliche Schnitt, der eng mit der Fibonacci Zahlenfolge verknüpft ist, spiegelt sich ebenfalls in zahlreichen Phänomenen wider.
Es verwundert also nicht, dass die Menschen irgendwann versuchten, diese Zahlenfolge auch in der Vorhersage von Kurszielen in der Chartanalyse zu verwenden. Oder um Kursbewegungen zu bestimmen.
Obwohl diese Unterstützungs- und Widerstandszonen, die dadurch kreiert werden, von vielen weiterhin als esoterischer Unsinn angesehen werden, haben die Fibonacci-Retracements längst eine feste Anhängerschaft in der Trader- und Analystengemeinschaft gefunden.
Ziel und Struktur:
In diesem Beitrag werde ich dir die Hintergründe der Fibonacci-Zahlenfolge erklären, und wie sie mit dem goldenen Schnitt zusammenhängt, und schließlich werden wir ihre Bedeutung und Anwendung in der Chartanalyse beleuchten. Unser Ziel ist, die mathematische Theorie mit der praktischen Anwendung im Trading zu verbinden. Ich werde hier also weit ausholen und sogar die Griechen mal erwähnen. Wer sich nur für die Anwendung in der Charttechnik interessiert und nicht für die geschichtliche und mathematische Grundlage, der kann gleich zu „Anwendung von Fibonacci-Retracements“ springen. Denkt aber daran, dass ihr als Trader eine Art Mechaniker seid, der verschiedene Werkzeuge benutzt, und es besser ist, diese Werkzeuge genau zu kennen, um sie richtig zu benutzen. Deshalb solltet ihr zumindest die mathematischen Grundlagen mitnehmen.
2. Der goldene Schnitt:
Der goldene Schnitt (lat.: sectio aurea), auch als göttliche Teilung bekannt, beschäftigte schon die alten Griechen. Sie sahen ihn als das Maß aller Dinge, wenn es um Harmonie und Ästhetik ging. In vielen Bauwerken kann man die Verhältnisse der Zahlenfolge finden, so wurde auch das Parthenon nach dem goldenen Schnitt entworfen. Selbst die Cheops-Pyramide und viele Kathedralen sollen dem goldenen Schnitt nach entworfen worden sein.
Mathematische Grundlage und die Geometrie
Als erster, der den goldenen Schnitt mathematisch darstellte, gilt Euklid in seinem Werk „Die Elemente“, auch wenn er selbst den Begriff „Goldener Schnitt“ nie verwendete (das war dann Luca Pacioli, lange nach Euklid). Dabei teilte er eine Linie in zwei Teile, ein äußeres und ein mittleres Verhältnis. Die Strecke L wird so zweigeteilt, dass sich das größere Segment (der Major) zum kleineren Segment (der Minor) so verhält wie die Summe aus beiden zum größeren Segment:
Bedeutet also: a verhält sich zu b wie (a+b) zu a ( ) a = a+b
b a
In der Geometrie, mit Zirkel und Lineal, würde das Ganze also so aussehen:

Anhang 2.1
- Die Länge L wird durch 2 geteilt und an Punkt B wird der Zirkel angesetzt, um so den senkrechten Punkt C zu ermitteln.
- Dann wird der Punkt C mit dem Zirkel auf Punkt B gebracht, um so den Punkt D zu bekommen.
- Als Nächstes setzt man den Zirkel wieder bei Punkt A an und zieht ihn auf die Länge von Punkt D, um den Punkt E zu bekommen. Das ist der goldene Schnitt mit einem Verhältnis von 61,8% zu 38,2 %.
Verbindung zur Fibonacci-Zahlenfolge:
Zu Fibonacci kam es dann durch Leonardo da Pisa, einen der bedeutendsten Mathematiker des Mittelalters. Der Beiname Fibonacci entstand dabei durch den Namen des Großvaters, der Bonaccio hieß. Irgendwann wurde dann Fibonacci daraus.
In seinem Werk „Liber Abaci“ (1202) führte er damals das indisch-arabische Zahlensystem ein und erklärte der westlichen Welt die Vorzüge der 0. Zu dieser Zeit verwendete die westliche Welt noch die römischen Zahlen, in denen es keine 0 gab, und somit auch keine höhere Mathematik möglich war. Kaufleute und Wissenschaftler nahmen diese Zahlen gerne an, da es mit ihnen viel leichter wurde, zu rechnen. Durch dieses Buch etablierte er das noch heute verwendete Zahlensystem in Europa.
Er gehörte auch zum Gelehrtenkreis von Kaiser Friedrich II. Friedrich war es angeblich, der die Kaninchen-Aufgabe gestellt haben soll, ein Gedankenexperiment aus dem Buch „Liber Abaci“.
Fibonacci stellte sich folgende Situation vor:
Ein Kaninchenpaar wird in einem Gehege ausgesetzt. Jedes Paar braucht einen Monat, um geschlechtsreif zu werden. Ab dem zweiten Monat bringt jedes Paar ein neues Paar zur Welt – und das jeden Monat. Die Kaninchen sterben nie (rein hypothetisch). Wie viele Kaninchenpaare gibt es nach n Monaten?
Die Lösung:
- Monat 1: 1 Paar (jung)
- Monat 2: 1 Paar (wird geschlechtsreif)
- Monat 3: 2 Paare (1 neues Paar geboren)
- Monat 4: 3 Paare (das ursprüngliche Paar bekommt ein weiteres, das neue Paar ist noch zu jung)
- Monat 5: 5 Paare (2 geschlechtsreife Paare bringen je ein neues zur Welt)
- Monat 6: 8 Paare …. und so weiter.
Aus diesem Gedankenexperiment ergibt sich die Fibonacci-Zahlenfolge.
1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 usw. Jede Zahl ist die Summe der beiden vorherigen.
Leonardo da Pisa hatte sich ansonsten aber nicht weiter mit der Zahlenfolge beschäftigt. Den Zusammenhang mit dem Goldenen Schnitt stellt erst Édouard Lucas, etwa 600 Jahre später, her. Er war es auch, der ihr den berühmten Namen „Fibonacci-Sequenz“ gegeben hat.
Der amerikanische Mathematiker Mark Barr hat dann im Jahre 1909 den Schnitt mit dem üblichen Buchstaben (Phi) versehen. Zu Ehren des Baumeisters des Parthenon, Phidias.
So ergab sich:
Das große Phi = 1,618
Das kleine Phi = 0,618
3. Die Fibonacci-Zahlenfolge:
Das war es nun erst einmal zur Geschichte der Fibonacci-Zahlen. Sehen wir uns jetzt an, wie genau sie funktionieren.
Bei den Fibonacci-Zahlen werden die beiden ersten Zahlen vorgegeben und jede weitere Zahl wird aus der Summe der beiden Vorgängszahlen gebildet.
Wenn wir uns also die Kaninchenaufgabe noch einmal ansehen, ergibt sich folgende Rechnung:
1+1 = 2 1,1,2
1+2 = 3 1,1,2,3
2+3 = 5 1,1,2,3,5
3+5 = 8 1,1,2,3,5,8
5+8 = 13 1,1,2,3,5,8,13
8+13 = 21 1,1,2,3,5,8,13,21
Das Interessante daran sind die Eigenschaften der Zahlen, die sich daraus jetzt ergeben.
- Das Verhältnis einer Zahl zur nächsthöheren Zahl in der Zahlenfolge beträgt gerundet 0,618
- Je weiter die Zahlenfolge fortschreitet, desto näher kommt das Verhältnis der Zahl Phi dem Wert 1,618033988 und hinter dieser Zahl versteckt sich der goldene Schnitt.
- Das kleine phi ist der Kehrwert vom großen Phi, also 0,618033988
- Das Verhältnis zur nächstniedrigeren Zahl beträgt gerundet 1,618
- Der Kehrwert von 1,618 ist 0,618
- Das Verhältnis zwischen den übernächsten aufsteigenden Zahlen beträgt gerundet 0,382
- Das Verhältnis zwischen den übernächsten absteigenden Zahlen beträgt gerundet 2,618
Der Quotient (n:n) nähert sich mit immer größeren Zahlen dem goldenen Schnitt.
Wenn man also jede Fibonacci Zahl durch die vorherige teilt, dann nähert man sich immer mehr dem Verhältnis des goldenen Schnittes an, je größer die Zahlen werden.
1:1=1, 2:1=2, 3:2=1,5, 5:3=1,666, 8:5=1,6 und 13:8=1,625
Durch die Teilung von anderen Zahlen der Fibonacci-Reihe erhält man alle anderen Verhältnisse.

Anhang 3.1
Um jetzt endlich zur Technischen Analyse zu kommen und zu dem Tool, das viele von uns benutzen, braucht es nur noch eine weitere mathematische Formel. Und das ist die von Pythagoras.
Der Satz des Pythagoras dürfte vielen noch aus der Schule ein Begriff sein. Mit ihm ist es möglich, die Länge der Hypotenuse in einem rechtwinkligen Dreieck auszurechnen.
a2 + b2 = c2
Oder anders gesagt: a und b sind die Längen der beiden Katheten (die Seiten, die am rechten Winkel anliegen).
c ist die Hypotenuse, also die Seite gegenüber dem rechten Winkel.
4. Bedeutung für die Chartanalyse:
Aber wie schaffen wir jetzt die Verbindung zur technischen Analyse?
Wenn man einen Kurs betrachtet, der sich in einem Trend bewegt, ist es leicht möglich, darin ein rechtwinkliges Dreieck einzuzeichnen.

Anhang 4.1
Aber wie kann man jetzt mit der Fibonacci Zahlenfolge ein Kursziel bestimmen? Hier setzte die Charttechnik an, und erinnerte sich wieder an die Kaninchen-Aufgabe. Diese Aufgabe ist nichts anderes als ein mathematisches Gedankenexperiment, das das Wachstum in einer Kaninchenpopulation aufzeigt. Wachstum ist nichts anderes als die Zunahme einer bestimmten Messgröße in einer gewissen Zeit.
Wenn unsere Messgröße jetzt also ein Aktienkurs wäre, und wir davon ausgehen, dass dieser mit der Zeit steigt, dann könnte man versuchen, dieses potenzielle Wachstum mit der Fibonacci Zahlenfolge zu bestimmen, was allgemein unter Kurszielbestimmung bekannt ist. Natürlich funktioniert das auch in die andere Richtung, solange wir irgendwo unsere rechtwinkligen Dreiecke unterbringen können.
Warum Fibonacci-Verhältnisse für Trader relevant sind:
Jetzt, wo wir den Hintergrund der Fibonacci Zahlen beleuchtet haben, und gesehen haben, wie wir das letzten Endes in den Chart übertragen konnten, stellt sich für manchen vielleicht die Frage, warum das in einem Chart relevant ist.
Es handelt sich um viele Marktteilnehmer, die alle ihre Einschätzung zum Markt haben. Sie kaufen und verkaufen aus unterschiedlichen Gründen.
Für einen Technischen-Analysten stellt sich die Frage nicht, warum jemand kauft oder verkauft. Für ihn ist nur der Preis wichtig, also das, was er im Chart sehen kann. Fibonacci-Retracements helfen dabei, potenzielle Wendepunkte im Aktienkurs zu identifizieren, also Stellen, an denen der Kurs stoppen und drehen könnte.
Aber warum funktionieren diese Retracements in der Praxis?
Viele Fans der Fibonacci-Retracements argumentieren, dass die Zahlen natürliche Proportionen widerspiegeln. Proportionen, die so alt sind, dass sie nicht nur in der Natur, sondern auch im menschlichen Verhalten eine Rolle spielen. Dass wir einen Hang zu diesem Verhältnis haben, lässt sich nicht abstreiten. Wie oben bereits erwähnt zieht sich das Verhältnis durch unsere ganze Geschichte.
Es könnte aber auch einfach eine selbsterfüllende Prophezeiung sein. Viele Trader und auch Algorithmen nutzen diese Retracements, wodurch sie natürlich an Relevanz gewinnen. Allerdings ist hier zu bemerken, dass die Retracements schon funktionierten, als sie noch kaum bekannt waren. Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo in der Mitte.
Fest steht: Die Märkte bewegen sich in Wellen, das stellte Dow schon fest. Nach einer Trendbewegung folgt eine Gegenbewegung und nach einem starken Trend folgt eine Korrektur. Viele dieser Wellen orientieren sich an den Fibonacci-Retracements wegen dem einen oder auch dem anderen Grund.
Unterstützungs- und Widerstandsniveaus in Trends:
Um die Fibonacci-Retracements richtig anwenden zu können, müssen wir uns zuerst noch ein wenig mit anderen Dingen der Technischen-Analyse beschäftigen. Wie bei vielen anderen Tools sind auch die Fibonacci-Retracements aus einer Kombination von mehreren Werkzeugen der Technischen-Analyse entstanden.
Zuerst kümmern wir uns also um die Trendbewegungen. Die Kurszielbestimmung mit den Fibonacci-Retracements funktioniert nur in Trends. Es ist also ein klassisches Trendfolge Tool.
Trendbewegungen sind leicht zu identifizieren. Ein Aufwärtstrend definiert sich durch steigende Hochs und steigende Tiefs, während sich ein Abwärtstrend mit tieferen Hochs und tieferen Tiefs definiert.
Wenn wir jetzt alle signifikanten Tiefpunkte mit einer Linie verbinden, dann haben wir eine Trendlinie. Das Gleiche tun wir auch noch mit den Hochs, dann haben wir einen Trendkanal. Dieser Kanal ist ein Widerstand und eine Unterstützung. In der Regel bewegt sich der Kurs in diesem Kanal. Dazu kommen noch horizontale Unterstützungen und Widerstände dazu, wie man unten im Bild erkennen kann. Hoch 1 und Tief 2 liegen beinahe an der selben Stelle, das gleiche gilt für Hoch 2 und Tief 3, sie bilden horizontale Unterstützungen. Jetzt könnten wir die Fibonacci-Retracements anwenden, um ein Kursziel in Trendrichtung zu bestimmen.

Anhang 4.2
In diesem Fall können die Fibonacci-Retracements Kursziele ermitteln.
Es kann aber auch sein, dass der Trend gebrochen wird, während wir ihn beobachten. In diesem Fall fällt der Kurs aus dem Kanal heraus. Die Charttechnik hat einige Techniken, um diesen Trendbruch zu bestätigen. Solange ein Trendbruch nicht bestätigt ist, können wir nicht mehr mit den Fibonacci-Retracements arbeiten, denn wie schon oben erwähnt, ist es ein Trendfolgesystem. Wir müssen also zuerst herausfinden, ob es sich um ein Fehlsignal handelt, oder ob der Trendbruch nachhaltig ist.
Eine Möglichkeit ist es, einen Kursfilter anzuwenden. Hier wird gerne die 3‑%‑Regel benutzt. Wenn also der Kurs auf Tagesschluss mindestens 3% von der Trendlinie entfernt ist, dann gilt der Bruch als bestätigt. Das muss aber nicht am selben Tag passieren. Ein Trendbruch kann sich auch Tage hinziehen, bevor ein Signal bestätigt wird.
Das gilt in diesem Fall für den Tageschart. Sollte man im Stundenchart handeln, muss man die Grenzen natürlich dementsprechend anpassen.
Eine andere Möglichkeit, einen Trendbruch zu bestimmen, sind die Indikatoren wie der RSI ( Relative Strength Index). Mit ihm ist es möglich, Trendwenden zu erkennen, bevor sie passieren.
Dazu kannst du Divergenzen nutzen, also Unterschiede zwischen dem RSI und dem Kurs. Wenn der Kurs tiefere Tiefs macht, aber der RSI höhere Tiefs, kann das ein Hinweis auf eine bevorstehende Trendwende sein.
Wie bei allen Indikatoren auch, sind ihre Anzeigen mit Vorsicht zu genießen. Jeder gibt einen Hinweis, aber keine Sicherheit. Ein Trader muss für sich selbst die besten Indikatoren finden und darauf, auf was er reagiert.
Wenn wir also einen Trendbruch erkannt haben, und dieser vollzogen wurde, dann müssten wir darauf warten, ob ein neuer Trend etabliert wird, oder ob wir uns ab jetzt in einer Seitwärtsbewegung befinden.
5. Anwendung von Fibonacci-Retracements:
Ist also ein Trend vorhanden, können wir die Fibonacci-Retracements zur Kurszielbestimmung einsetzen. Wir können damit aber auch die Stärke der Gegenbewegung, also das Korrekturlevel, prognostizieren.

Anhang 5.1
Wenn wir also einen Aufwärtstrend haben (links), dann können wir mit den Retracements die möglichen relevanten Unterstützungen sehen. Bei einem Abwärtstrend (rechts) können wir mögliche relevante Widerstände sehen. Dabei enden die Korrekturbewegungen oft an einem Fibonacci-Retracement, bevor sie die ursprüngliche Richtung wieder aufnehmen.
Aber wie wenden wir die Fibonacci Retracements im Chart richtig an? Das ist heutzutage sehr einfach. Die Chart-Software übernimmt alles Wichtige. In den meisten Fällen muss man nur noch von Punkt A nach Punkt B ziehen. Ich zeige das anhand der Chart-Software Tradingview.

Anhang 5.2
Auf der linken Seite findest du die Werkzeugleiste und hier kannst du die Fibonacci-Retracements auswählen. Dann musst du einfach nur ein signifikantes Tief nehmen, und es zu einem signifikanten Hoch ziehen. Das Ganze passiert immer von links nach rechts.
Wie man im oberen Bild erkennen kann, ist ein Abwärtstrend vorhanden. Wenn wir jetzt das Tool einsetzen, breitet sich der Fächer der Retracements aus und wir sehen auch, dass sich der Kurs immer wieder um die einzelnen Retracements bewegt. Gerade das 61,8‑%‑Retracement scheint hier eine starke Unterstützung zu sein, bis diese Unterstützung im April 2025 schließlich gerissen ist. Man kann deutlich erkennen, dass der Kurs sehr schnell und deutlich unter das Retracement fiel. Auch, als der Kurs später im Mai wieder nach oben stieg, stellte das 61,8‑%‑Retracement einen Widerstand dar, der wieder sehr deutlich durchbrochen wurde. Man könnte das Fibonacci-Tool jetzt auf das letzte markante Hoch setzen und es dann auf das letzte markante Tief legen, um Expansionslevel zu erhalten, also Prognosen, wohin sich die Kursausdehnung hin bewegen könnte. Hier sind die relevanten Level: das 161,8, das 261,8, das 361,8 und das 423,6. Die letzten beiden Level werden aber nur sehr selten und nur in besonders starken Trends erreicht.
Das 76‑%‑Retracement dient oft als letzte Rille in einer Korrektur der Aufwärtsbewegung. Wenn dieses nicht hält, geht es oft auf die alten Tiefststände zurück. Und hier zeigt sich auch, dass jede Chart-Analyse-Tool keine exakte Wissenschaft ist. Die Kurse waren nicht immer genau auf den Linien, auch das 76‑%‑Retracement wurde ein paar Mal unterschritten. Im Großen und Ganzen hielt sich der Kurs aber auf diesem Niveau. Ein Tool reicht nicht aus, um die Wahrscheinlichkeiten für sich arbeiten zu lassen, es braucht mehr als das eine.
Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass die Fibonacci-Retracements durchaus ihre Berechtigung und ihren Sinn haben, besonders in Verbindung mit anderen Analysemethoden.
Bei einem Abwärtstrend wird die Hypotenuse ebenfalls von links nach rechts gezogen, nur dass man hier das signifikante Hoch nimmt, und es zu einem signifikanten Tief zieht.
5.1 Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verwendung im Trading:
Sehen wir uns das Ganze jetzt also im direkten Trading an. Für dieses Beispiel nutze ich die Aktie von Verbio SE auf Wochenbasis von Anfang 2018 bis Ende 2022. In dieser Zeit bildete sich in der Aktie ein Trend aus, der mit der Zeit immer stärker wurde. Davon abgesehen beschränke ich mich hier nur auf die Fibonacci-Retracements, und da dieses Tool ein Trendfolgetool ist, tue ich mich in einem großen Chartbild leichter, ohne andere Hilfsmittel zu verwenden. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass ihr nur die Fibonacci-Retracements braucht, um einen Chart richtig zu analysieren. Auch dieses Tool bietet nur eine Einschätzung und bietet euch keine absolute Gewissheit. Dazu darf man in diesem Fall auch den Rückschaufehler nicht übersehen, da wir einen Chart betrachten, der schon geschrieben wurde.

Anhang 5.3
Wir fangen am Montag, den 5. November 2018, an. Verbio hat die Woche stark beendet und eine sehr bullische Kerze hinterlassen. Die Aktie stieg in dieser Woche um ganze 19 %. Der Grund dafür ist für uns erst einmal egal, wir konzentrieren uns nur auf die Charttechnik.
Nachdem am 30. April eine Hammerkerze gebildet wurde (die ein Anzeichen für einen Trendwechsel sein kann), hat sich der Kurs seitdem nach oben bewegt. Wir setzen die Fibonacci- Retracements also auf das letzte Tief, und ziehen sie zum letzten markanten Hoch.
Wie man sehr gut sehen kann, hat sich der Kurs genau auf dem 61,8‑%‑Retracement gefangen und stieg von da an wieder nach oben. Auf dem Bild ist auch zu erkennen, dass der Kurs bei der 0‑Linie der Retracements abgeprallt ist, was ein zweites Anzeichen dafür ist, dass die Retracements akzeptiert werden.

Anhang 5.4
Das Bild in Anhang 2.2 zeigt, wie wir das Fibonacci-Retracement von Anhang 2.1 entfernt haben und jetzt ein neues eingezeichnet haben. Dieses Mal gehen wir von dem markanten Hoch zu dem nächsten markanten Tief, was das 61,8‑%‑Retracement aus Anhang 2.1 war. Wieder öffnet sich der Fächer und wir können die nächsten Level, die sogenannten Expansionslevel, der Fibonacci-Retracements sehen. Das 161,8‑Retracement sollte angelaufen werden, oft korrigiert der Kurs aber auf diesem Level. Je stärker der Trend, desto höhere Level können erreicht werden. Was in diesem Fall nicht mehr passieren sollte, ist, dass sich der Kurs nochmal zurück auf das 61,8‑Retracement bewegt, oder dass kein neues Hoch ausgebildet wird. Sollte das passieren, gilt der Trend als gebrochen.

Anhang 5.5
Wie man in Anhang 2.3 erkennen kann, hat der Kurs schließlich ein neues Hoch erreicht, schaffte es aber nicht, das 161,8‑Retracement zu erreichen. Auf dieses fehlen noch ungefähr 3 %. Hier könnte man jetzt die 3‑%‑Regel anwenden, wie ich oben bereits erwähnt hatte, oder man bleibt in diesem Trade.
Danach ging der Kurs wieder runter und unterschritt sogar das letzte ausgebildete Hoch, blieb aber in dessen Bereich. Nach den Retracement-Leveln fiel der Kurs knapp unter das 78,6‑Retracement. Es gab also noch viel Luft, da unser Stopp bei dem 61,8‑Retracement platziert gewesen wäre.
Wer hier also noch im Trade ist, hätte sich am Montag, den 19. August 2019, freuen können, denn hier erreichte der Kurs nach einer Seitwärtsbewegung schließlich das 161,8‑Retracement, das auch gleichzeitig ein starker vergangener Widerstand ist, wie man auf dem Bild sehen kann.
Am Montag, den 25. September 2017, fing sich der Kurs dort nach einem riesigen Abverkauf von 37% und stellte dann eine Unterstützung dar, bis der Kurs schließlich am 29. Januar 2018 weiter nach unten fiel. Dennoch hielt diese Linie über mehrere Monate und jetzt, nach einem weiteren Jahr, zeigt unser Fibonacci-Tool beinahe genau diese Linie als Widerstand in der Zukunft an. Einer der Gründe, warum ich die Fibonacci-Level so schätze. Das kann man immer wieder beobachten.
Durch die starke Kerze und das Halten des Niveaus am Tag danach, hätte ich darauf spekuliert, dass sich der Trend weiter fortsetzt, und hätte den Trade noch nicht geschlossen. Es ist aber nicht so häufig, dass das 161,8‑Retracement überschritten wird, deshalb ist das Risiko hoch. Ich hätte den Stopp auf 7€ nachgezogen. Unser Einstieg lag in diesem Fall bei 6,05 €. Wir hätten also schon einen Gewinn von 15% gesichert. Insgesamt wäre die Position im Moment etwa 34% im Plus. Nicht unglaublich nach 9 Monaten, aber ganz passabel. Hier zeigt sich auch eine kleine Schwäche von Trendfolgetools: Sie reagieren nur sehr langsam auf Änderungen. Besonders in unserem Beispiel, in dem wir nur das Fibonacci-Tool nutzen, haben wir sehr weite Stopps. Aber wie ich schon sagte, geht es mir hier nur darum, einmal das Tool in Aktion zu zeigen. Ich werde euch in einem anderen Beitrag noch konkrete Systeme mit dem Fibonacci-Tool vorstellen.

Anhang 5.6
Wir haben Glück und der Kurs zieht direkt durch auf das 261,8‑Retracement. Ab hier arbeitet die Statistik gegen uns. Ich verkaufe am 18. November 2019 bei 10,24€ mit einem Gewinn von 69,3%.
Was jetzt passiert, spielt keine Rolle mehr. Wenn man erst einmal aus einem Trade ausgestiegen ist, ist es egal, was der Kurs danach macht. Man muss damit abschließen und nicht wieder unüberlegt hineinspringen, wenn sich der Kurs weiter nach oben bewegt.

Anhang 5.7
Und man hätte sich durchaus ärgern können, denn der Kurs stieg weiter und erreichte am 10. Februar 2020 sein vorläufiges Hoch bei 13,24 €. Was ziemlich genau das 423,6‑Retracement ist. Dass der Kurs aber so ein Expansionslevel erreicht, ist sehr selten.
Dann gab es in der Woche zum 24. Februar 2020 einen starken Abverkauf, was uns fürs Erste ein neues endgültiges Hoch zeigte. Wir ziehen also unser Fibonacci-Tool vom letzten markanten Tief, das bei ca. 4,98€ lag, zum nächsten markanten Hoch, das bei 13,24€ lag.

Anhang 5.8
Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, Anlaufstellen zu identifizieren, auf die sich der Kurs zubewegen könnte. Einmal das 61,8‑Retracement und das 78,6‑Retracement. Hier sprechen wir von der Goldenen Zone. Wenn sich der Kurs hier fangen würde, könnten wir wieder in einen neuen Trade einsteigen. Gleichzeitig zeigt sich wieder, dass das 61,8‑ und auch das 78,6‑Retracement an starken Unterstützungen entlanglaufen, die weit in die Vergangenheit reichen. Aber das kann alles auch reiner Zufall sein.

Anhang 5.9
Der Kurs hat sich mit zwei weiteren starken Verlustkerzen stark nach unten bewegt, und dabei sogar das 78,6‑Retracement unterschritten. Das ist allerdings kein Beinbruch. Jedes Tool, das wir im Trading verwenden, ist nur ein Indikator. Es zeigt uns nur eine Wahrscheinlichkeit, keine Sicherheit. Ich kann das nicht oft genug sagen.
Dazu kommt, dass alle Tools nicht auf den Punkt genau sind. Das nennt sich „Unschärfe“. In der Technischen Analyse bewegen wir uns eher in Zonen als an exakten Linien. Aus diesem Grund ist das hier in Abbildung 2.7 durchaus okay. Besonders da der Kurs in diesem Bereich sehr heftig reagierte.

Anhang 5.9.1
Ich habe den Bereich zwischen dem 50‑ und dem 61,8‑Retracement mit einem Rechteck markiert und die neuen Fibonacci-Retracements eingezeichnet. Im Optimalfall unterschreitet der Kurs nicht mehr unser Rechteck, ansonsten ist der Trend in Gefahr.

Anhang 5.9.2
Unser Rechteck hat gehalten und der Kurs steigt über das 61,8‑Retracement. Ich warte die Woche nach dem Überschreiten ab und steige schließlich am 20.7.2020 bei 11,45€ wieder ein. Ziel ist das 161,8‑Retracement bei 18,10 €, was einer Strecke von ca. 58% entspricht.

Anhang 5.9.3
Am 28.9.2020 war es schließlich so weit und der Kurs traf das 161,8‑Retracement. Ich schließe die Position mit einem Gewinn von 58 %. Manchmal kann Trading sehr einfach sein, aber wie gesagt, ich habe einen alten Chart in der Wochenansicht genommen. Auch wenn ich den Kurs nicht getestet habe, so wusste ich doch ungefähr, wo er hinläuft. Es ist etwas ganz anderes, wenn man nicht in die Zukunft sehen kann. In diesem Fall sollte man sich nicht auf einen Indikator verlassen. Verwendet aber auch nicht zu viel, das macht den Chart oft nur unnötig kompliziert.

Anhang 5.9.3
In Anhang 3.1 sehen wir die Grenzen des Tools. Der Chart übertraf das 161,8‑Retracement, bevor es schließlich in die Korrektur ging. Diese war aber nur von sehr kurzer Dauer und testete gerade einmal nochmals die Linie des 161,8‑Retracements. Auf so etwas zu spekulieren, ist nicht ratsam, weil es zu selten vorkommt. In diesem Fall ist der Trend aber in so eine Übertreibung gegangen, dass es quasi keine wirkliche Korrektur mehr gab. Der Kurs stieg einfach weiter an und durchbrach sogar das 423,6‑Retracement.
Wir haben weiter oben schon gesehen, wie das 423,6‑Retracement angelaufen wurde und es beim Treffen dieser Linie eine heftige Reaktion gab. Ich sagte oben schon, dass es sehr selten ist, dass dieses Retracement angelaufen wird. Hier ist es bereits das zweite Mal. Als wäre das nicht genug, überschießt es hier sogar komplett. Das zeigt nicht nur, dass dieser Trend unglaublich stark ist, es lässt auch vermuten, dass wir hier in einer extremen Blase sind. Oder aber das Unternehmen wurde fundamental so falsch eingeschätzt, dass dieser Fehler jetzt korrigiert wird. Hier braucht es weitere Informationen, um zu erkennen, um was es sich handelt.
Für mein imaginäres Selbst ist es hart, immerhin habe ich gerade 131% an Rendite liegen lassen. Aber mit unserem Tool auf Wochenbasis gab es keine Möglichkeit mehr, in den Trade reinzukommen, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen.

Anhang 5.9.4
Wie man in Anhang 5.9.4 sehen kann, korrigierte der Kurs schließlich kurz über dem 423,6-Retracement.
Zieht man jetzt ein neues Fibonacci-Tool über die letzte Trendbewegung, so sieht man, dass sich die Korrektur gerade einmal bis zum 38,2‑Retracement zieht, bevor der Kurs wieder weiter nach oben steigt. Ein weiterer Indikator dafür, wie stark dieser Trend mittlerweile geworden ist.
5.2 Kombinierbarkeit mit anderen Indikatoren:
Obwohl das Fibonacci-Tool ein sehr mächtiges Werkzeug ist, ist es für sich alleine oft zu fehleranfällig, als dass man es benutzen könnte. Deswegen empfehle ich, es mit anderen Indikatoren zu kombinieren. Ich zeige dir ein paar Beispiele von Indikatoren, die du nutzen kannst, um das Fibonacci-Tool noch mächtiger zu machen.
RSI, gleitende Durchschnitte und ADX:
Zu den wichtigsten begleitenden Indikatoren für die Fibonacci-Retracements sind die gleitenden Durchschnitte, der RSI und der ADX. Alle drei Indikatoren sind zur Trendfeststellung. Da Fibonacci ein Trendfolgesystem ist, muss man erst einmal herausfinden, ob es sich um einen Trend handelt, und wie stark dieser Trend ist. Für diese Aufgabe helfen uns diese 3 Indikatoren.
Gleitender Durchschnitt:
Mit dem gleitenden Durchschnitt kann man sehr schnell ermitteln, auf welcher Seite man sich befindet, ob es also ein Aufwärts- oder Abwärtstrend ist, und in etwa abschätzen, wie stark der Trend ist.
Üblich sind 3 gleitende Durchschnitte mit den Einstellungen 10, 50 und 200. Das bedeutet, dass sich die Durchschnitte aus den letzten 10 Kerzen errechnen, aus den letzten 50 oder eben aus den letzten 200. Ich nutze dabei die EMA, es gibt aber auch die SMA. Ich habe den Unterschied bereits in einem anderen Beitrag erklärt, den du dir hier ansehen kannst. Andere übliche Durchschnittseinstellungen sind der 15er, der 21er, und der 100er.
Am besten ist es, diese auf verschiedene Assets zu testen. Dann sieht man recht schnell, welche davon beachtet werden und welche nicht.
Verwendung mit dem Fibonacci-Tool:
Zum einen ist er also für den Trend da, zum anderen kann man ihn aber auch noch gleichzeitig mit dem Fibonacci als Ergänzung nutzen für kurzfristige Trades.
Man nutzt dabei die EMA-Cross-Strategie und kombiniert sie mit dem Fibonacci-Tool. Damit hat man nicht nur ein einfaches Trendfolgesystem, sondern auch noch ein Tool, das die Preisniveaus berücksichtigt.
Es ist also eine so gute Strategie, weil sie mit zwei einfachen Indikatoren schon eine solide Strategie ergibt. Diese kann man sogar noch weiter verbessern, aber dazu komme ich weiter unten.
Die Strategie funktioniert, weil sie zwei verschiedene Marktlogiken nutzt
- • EMA‑Cross für die Trendrichtung und mögliche Trendwechsel
- Fibonacci für die optimalen Ein- und Ausstiege
Die EMA‑Cross-Strategie ist eine der einfachsten Strategien, die es gibt. Der Nachteil dabei ist, dass sie viele Fehlsignale produziert. Deshalb funktioniert die Strategie besser, wenn man ein paar Filter hinzufügt. Ein sinnvoller Filter sind die Fibonacci-Retracements. Das führt zu weniger Fehlsignalen, zeigt dir klare Ein- und Ausstiege an, ohne auf den trägen Durchschnitt warten zu müssen, und lässt dich dein CRV besser planen.
Anwendung:
Es reichten zwei Durchschnitte aus, um die Strategie anzuwenden. Ich persönlich nutze 3, aber das ist jedem selbst überlassen.
In dem Beispiel nutzen wir jetzt den 15er EMA und den 50er für kurzfristige Trades. Dazu noch einen 100er für klare Trendbewegungen.
Wenn der 15er den 50er von unten nach oben kreuzt, und beide über dem 100er sind,und der 100er dazu noch unter dem Kurs liegt, dann haben wir einen Aufwärtstrend. Für einen Abwärtstrend ist es das Gegenteil, also der 15er kreuzt den 50er von oben nach unten und der 100er liegt über dem Kurs.
Sobald die Durchschnitte sich gekreuzt haben und der 100er-Durchschnitt in den richtigen Trend läuft, warten wir auf eine Korrektur, die aber nicht unter das letzte Tief läuft. An diesem Punkt legen wir die Fibonacci-Retracements an.
In einem Aufwärtstrend legen wir das Fibonacci-Tool vom letzten Tief, zum letzten Hoch an. In einem Abwärtstrend vom letzten Hoch zum letzten Tief. Dann warten wir darauf, dass der Kurs ein Retracement anläuft.
Hier zeigt sich noch eine kleine Schwäche der Strategie, vor allem für Anfänger. Die Interpretation ist nicht ganz einfach. Oft denkt man, der Kurs stoppt bei diesem Retracement, und dann geht es doch noch weiter runter. Wo der Kurs letzten Endes stehen bleibt, ist eine Frage des Trends. Wie oben schon gesagt ist der Trend besonders stark, wenn er nur sehr flach korrigiert. Niemand kann dir aber genau sagen, wie du damit am besten umgehst. Es hat viel mit Erfahrung zu tun. Gib also einer Strategie nicht gleich auf, wenn sie nicht funktioniert. Oft dauert es eine Zeit, bis du die Eigenheiten der Strategie verstehst und interpretieren kannst.
Um es dir hier aber etwas leichter zu machen, kann es sich empfehlen, noch einen dritten Indikator einzubauen, nämlich das Volumen. Damit kannst du klare Ausbrüche erkennen.

Anhang: 5.9.5
Hier sehen wir den 1‑Stunden-Chart bei Ethereum zum US‑Dollar. Wir kommen gerade aus einem Abwärtstrend, als der Kurs nach einem heftigen Abverkauf, einer scharfen Korrektur und einem erneuten heftigen Abverkauf wieder stark steigt. Doch anders als bei dem letzten Anstieg, der sofort wieder abverkauft wurde, haben wir dieses Mal einen zaghaften Aufstieg der Durchschnitte. Zuerst kreuzt der Schwarze (15er) Durchschnitt den Roten (50er) Durchschnitt. Da wir aber auf einen Trend warten, ist das noch nicht der Moment, um zu handeln, also warten wir weiter ab. Schließlich kreuzt der Rote (50er) Durchschnitt den Blauen (100er) Durchschnitt von unten nach oben. Ab jetzt sind wir im Trend. Wir ziehen also unser Fibonacci-Tool von dem letzten Tief bis zum letzten Hoch und warten dann auf eine Korrektur.

Anhang: 5.9.6
Der Kurs schlängelte sich dann noch weiter an dem 23,5‑Retracement entlang und testete auch den 50er EMA, bis er schließlich wieder eine scharfe Korrektur nach unten machte. Dabei stieg das Volumen deutlich an. Die nächste Kerze war grün und das Volumen sank wieder leicht, wenn auch noch deutlich höher als in den letzten Stunden. Der Einbruch war nur knapp über dem letzten Tief stehen geblieben. Wir warten jetzt also weiter ab, bis alle unsere Einstiegskriterien erfüllt sind. In diesem speziellen Fall sieht es im Moment sehr gut aus. Der Kurs muss mit einer Kerze nur wieder über dem 15er EMA liegen, ohne dass sich die anderen Indikatoren groß ändern.

Anhang: 5.9.7
Schließlich ist es so weit und nur zwei Kerzen später sind alle unsere Kriterien erfüllt.
- Der 100 EMA liegt unter dem Kurs und unter den beiden anderen Durchschnitten.
- Der 50er EMA ist über dem 100
- Der 15er EMA ist über dem 50er und unter dem Kurs.
- Nachdem der 50er EMA den 100er EMA gekreuzt hat und der 15er EMA den 50er EMA von unten nach oben gekreuzt hat, gab es eine Korrektur im Kurs.
- Nach der Korrektur stieg der Kurs wieder über den 15er EMA.
- Während der Korrektur steigt das Volumen an.
Wir eröffnen also einen Trade bei 2985 US-Dollar und setzen unseren Stopp auf das letzte Tief bei 2937 US-Dollar.

Anhang: 5.9.8
Der Trade scheint aufzugehen. Anhand der Durchschnitte kann man erkennen, wie der Trend langsam stärker wird, weil sich die einzelnen Linien voneinander entfernen.
Jetzt sind wir bereits 2,5% im Plus, diesen Trade lassen wir uns also nicht mehr nehmen. Ab diesem Zeitpunkt können wir bereits den Stopp nachziehen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.
Man könnte die letzten Retracements als Stopp benutzen, sofern sie vom Markt akzeptiert wurden. Wie wir sehen, hat der Kurs kurz nach dem Überschreiten des letzten Retracements (also des letzten Hochs) kurz konsolidiert, bevor er weiter angestiegen ist. Hier könnten wir also einen sinnvollen Stopp setzen. Damit hätten wir zumindest einen Gewinn von 1,24% gesichert.
Eine weitere Möglichkeit ist es, sich nach den Durchschnitten zu richten. Hier würde in dem Moment aber nur der 15er-Durchschnitt Sinn machen, da die anderen beiden noch unter der Konsolidierung liegen. Und wie man im Anhang 5.9.8 erkennen kann, wird der 15er EMA sehr gerne unterschritten, ohne dass sich der Trend ändert.
Wir können aber auch wieder das Fibonacci-Tool benutzen, um Teilgewinne zu realisieren und den Rest einfach laufen zu lassen. Dazu gehen wir einfach vom letzten Hoch zum letzten Tief. So erhalten wir unsere Expansionen.

Anhang: 5.9.9
In dem Fall hätten wir die Hälfte bei 3069 US-Dollar verkauft und könnten uns entspannt zurücklehnen in der Korrektur. In diesem Fall haben wir das 161,8‑Retracement leicht überschritten und sind dann wieder zurückgefallen. Das muss nicht der Anfang einer Korrektur sein, wie wir weiter oben bereits gesehen haben, aber die Wahrscheinlichkeit steigt an diesem Retracement.
ADX und RSI:
Diese beiden Indikatoren werde ich nicht mehr so genau erklären wie den EMA-Cross, weil diese im Grunde in dieselbe Kerbe schlagen. Der ADX zeigt die Trendstärke an. Alles über 20 ist ein Trend. Je höher er ist, desto besser. Allerdings muss man beim ADX beachten, dass er wirklich nur die Trendstärke zeigt. Der ADX ist also bei einem Abwärtstrend, wie auch bei einem Aufwärtstrend über 20. Wo der Trend also hingeht, muss selbst anhand des Charts ermittelt werden.
Der RSI zeigt dir, ob die Korrektur gesund ist. Wenn du Divergenzen nutzen willst, kannst du damit schlechte Setups herausfiltern. Dafür gibt es in Trading View mittlerweile extra Divergenzindikatoren. Das selbst zu tun, ist eine Kunst für sich. In unserem Beispiel hätte der RSI bei der Korrektur einen Wert von 36 angezeigt, was beinahe im überverkauften Bereich ist. Nach der Korrektur zeigte er einen Wert von 46, gleichzeitig hatte der ADX einen Wert von 21. Das wäre der Golden Spot der beiden Indikatoren. Allerdings muss man sich in dieser Variante ein wenig mehr auf die Fibonacci-Retracements verlassen, da die beiden anderen sehr viele Fehlsignale bilden. Deshalb bevorzuge ich die Variante mit den Durchschnittswerten.
Dazu gibt es noch viele andere Indikatoren, die das Fibonacci-Tool noch mächtiger machen, allerdings sprenge ich mit diesem Beitrag so oder so schon sämtlichen Rahmen, weshalb ich diese nur kurz aufzähle und später separate Beiträge verfasse. Es lohnt sich also, weiter vorbeizuschauen.
Und einen herzlichen Dank an alle, die bis hierher gekommen sind.
Dazu könnte man die Fibonacci-Retracements noch mit:
Momentumindikatoren kombinieren:
- Wie schon gesagt: der RSI
- Stockastik
- MACD
Volumen Indikatoren:
- POC, VAH oder VAL
- OBV
- Volumen Spikes, wie wir ihn oben mit den Durchschnitten schon verwendet haben.
Markstrukturen:
- Morning Star oder BOS-Level
- Swing-High und Swing-Low
- Fair Value Gap
Volatilitäts-Indikatoren:
- ATR
- Bolling Bänder
6. Zusammenfassung und Fazit:
Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick in die Magie der Fibonacci-Retracements geben.
Wer bis hierher gelesen hat, weiß nicht nur Bescheid darüber, wo die Zahlenfolge der Retracements hergekommen ist, sondern auch, was sie können und wo deren Grenzen liegen. Hier fasse ich für euch nochmal das Wichtigste zusammen, falls ihr nicht den ganzen Text lesen wollt oder könnt.
1. Einleitung
Überblick über die Bedeutung von Fibonacci Retracements in der Chartanalyse
Fibonacci-Retracements sind ein Werkzeug, mit dem Trader potenzielle Korrektur- und Wendepunkte im Markt identifizieren. Sie basieren auf mathematischen Verhältnissen, die in Natur, Kunst und Märkten auftreten. In Trends helfen sie dabei, wahrscheinliche Unterstützungs- und Widerstandszonen zu bestimmen.
Ziel und Struktur des Berichts
Der Bericht erklärt die mathematische Grundlage der Fibonacci-Verhältnisse, zeigt ihre Bedeutung für die technische Analyse und demonstriert, wie Trader sie praktisch anwenden und mit anderen Indikatoren kombinieren können.
2. Der Goldene Schnitt
Mathematische Grundlage und die Geometrie
Der Goldene Schnitt beschreibt ein Verhältnis von etwa 1:1,618, das in vielen natürlichen und geometrischen Strukturen vorkommt. Er entsteht, wenn das Verhältnis zweier Größen dem Verhältnis ihrer Summe zur größeren Größe entspricht.
Verbindung zur Fibonacci-Zahlenfolge
Die Fibonacci-Zahlenfolge nähert sich mit zunehmender Länge dem Goldenen Schnitt an. Das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen konvergiert gegen 0,618 bzw. 1,618 — die zentralen Werte für Retracements und Extensions.
3. Die Fibonacci-Zahlenfolge
Die Fibonacci-Folge beginnt mit 0 und 1; jede weitere Zahl ist die Summe der beiden vorherigen. Aus dieser Folge entstehen wichtige Verhältnisse wie 0,236, 0,382, 0,5, 0,618 und 0,786, die in der Chartanalyse als Retracement-Level genutzt werden. Diese Verhältnisse spiegeln natürliche Wachstumsprozesse wider und finden sich auch in Marktbewegungen wieder.
4. Bedeutung für die Chartanalyse
Warum Fibonacci-Verhältnisse für Trader relevant sind
Märkte bewegen sich oft in Wellen. Fibonacci-Level helfen dabei, die Tiefe einer Korrektur einzuschätzen und potenzielle Wendepunkte zu erkennen. Viele Trader und Algorithmen nutzen diese Levels, wodurch sie sich selbst verstärken.
Unterstützungs- und Widerstandsniveaus in Trends
In Aufwärtstrends dienen Retracement-Level als potenzielle Unterstützungen, in Abwärtstrends als Widerstände. Besonders das 0,382‑, 0,5‑ und 0,618‑Level gelten als Zonen, in denen Trends häufig wieder aufgenommen werden.
5. Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verwendung im Trading
Um die Fibonacci-Retracements richtig anwenden zu können, braucht es Übung und Geduld. Vieles ist aber Routine. Eine Liste, die man abarbeiten muss. Hier konntest du anhand eines Beispiels sehen, wie man das Tool nutzt.
Kombinierbarkeit mit anderen Indikatoren
In der Schritt-für-Schritt-Anleitung nutzte ich ein Beispiel, das perfekt passte, um zu zeigen, wie mächtig das Tool sein kann. Aber die Realität sieht oft anders aus. Selten sind Trends so klar, weswegen es weitere Indikatoren braucht, um die Fibonacci-Retracements noch stärker zu machen. Ich zeige dir das anhand eines Beispiels mit den gleitenden Durchschnitten und dem Volumen. Außerdem schneide ich noch die Verwendung des RSI und ADX an und nenne eine Vielzahl anderer Indikatoren, die man mit dem Fibonacci-Tool kombinieren kann.
Fazit – Fibonacci-Retracements im Trading
Fibonacci-Retracements gehören zu den wirkungsvollsten Werkzeugen der technischen Analyse, weil sie auf universellen mathematischen Prinzipien basieren, die sich in Natur, Kunst und Märkten wiederfinden. Trader nutzen sie, um wahrscheinliche Korrektur- und Wendepunkte zu identifizieren und Trends sauberer zu handeln. Besonders in Kombination mit klaren Trend- und Momentumfiltern wie ADX, RSI, Volumenprofil oder den gleitenden Durchschnitten entfalten Fibonacci-Level ihre volle Stärke. Richtig angewendet helfen sie dabei, bessere Einstiege zu finden, Risiken präziser zu managen und Marktbewegungen strukturiert zu verstehen.
Kurz gesagt: Fibonacci macht Marktlogik sichtbar – und gibt Tradern ein objektives Werkzeug für bessere Entscheidungen.
Aber es ist kein Allroundwerkzeug. Alleine mit den Fibonacci-Retracements lässt sich keine saubere Analyse erstellen.

