Positionsgröße berechnen im Trading: So schützt du dein Depot (+ Rechner)

Positionsgröße berechnen im Trading: So schützt du dein Depot (+ Rechner)

  1. Einleitung: Warum Kapitalerhalt die wichtigste Regel an der Börse ist.
  2. Die 1 %-Regel: Warum du pro Trade niemals mehr als 1–2 % deines Gesamtkapitals riskieren solltest.
  3. Die Formel für die perfekte Positionsgröße.
  4. Interaktive Lösung: „Spare dir die manuelle Rechnerei – nutze unseren kostenlosen [Positionsgrößen-Rechner →]“
  5. Fazit: Disziplin schlägt Bauchgefühl.

1. Einleitung:

Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass Risikomanagement eines der wichtigsten Dinge im Trading ist. Ohne die richtige Bestimmung der Positionsgröße kann man kein richtiges Risikomanagement betreiben, und ohne das, wird man sein Konto ziemlich schnell an die Wand fahren.

Gerade die Anfänger sind davon betroffen. Viele suchen die perfekte Strategie, die besten Indikatoren (am besten 100 davon, damit es cooler aussieht) oder ausgefuchste Modelle, aber die wenigsten konzentrieren sich wirklich auf das Risikomanagement. Dabei hat erfolgreiches Trading erstaunlich wenig mit der perfekten Strategie, Indikatoren oder Hellseherei zu tun. Der wahre Unterschied zwischen einem profitablen Trader und einem Anfänger liegt im Risikomanagement. Aber auch das „Wie“ ist wichtig, denn wenn es dann doch mal einer tut, dann legt er den Stopp oft einfach an seine 1‑ oder 2 %-Grenze, obwohl das charttechnisch keinen Sinn ergibt. Sie richten ihren Stopp nach der Positionsgröße aus, anstatt die Positionsgröße nach dem Stopp.

Denn oft berechnen sie nur zu gerne den Gewinn, aber nicht den Verlust, wenn es um die Positionsgröße geht. Das führt schließlich dazu, dass sie ihren Stopp (der sowieso keinen Sinn ergibt) ignorieren und sich immer weiter in den Verlust bringen. Diejenigen, die schon etwas über Disziplin gelesen haben, wollen das berücksichtigen und steigen bei ihrem Stopp aus, nur um kurz danach wieder einzusteigen, weil der Kurs dreht. Am Ende landen sie immer wieder im Verlust.

Beide Trader unterscheiden sich von Profis und fahren ihre Depots früher oder später an die Wand. Wer sein Risiko pro Trade nicht exakt kalkuliert, überlässt sein Kapital dem Zufall. Tatsächlich ging es mir vor kurzem erst selbst wieder so. Ich machte aus meiner profitablen Strategie ein schlechtes Geschäft, indem ich das Risikomanagement schleifen ließ.

In diesem Leitfaden lernst du, wie du deine Positionsgröße vor jedem Einstieg mathematisch sauber berechnest, und wie du dein Depot dauerhaft vor großen Verlustserien schützt.

Warum das Überleben an der Börse reine Mathematik ist:

Das wahllose Setzen von Stopps ist aber nur ein Symptom von Anfängern. Oft steckt auch überhaupt keine Überlegung dahinter. Sie wählen ihre Stückzahl nach Bauchgefühl, oder setzen immer einen festen Eurobetrag ein.

An sich ist ein fester Betrag nicht die schlechteste Idee, würde aber voraussetzen, dass alle Aktien gleich sind, und das sind sie nicht. Unterschiedliche Aktien haben unterschiedliche Volatilitäten. Die Größe der Position spielt auch eine Rolle, je nachdem, in welche Aktie man investiert. Es mag durchaus legitim sein, einen Betrag von 10.000 € auf McDonald’s zu setzen, um von einer Erholung zu profitieren, und dabei einen Stopp von 2 % festzulegen. Die Aktie bewegt sich im Schnitt nur 2,15 % und ist somit weniger volatil. Hier kann ein Stopp von 2 % ausreichen und auch sinnvoll sein. Anders sieht es bei deiner CoreWave aus. Diese Aktie bewegt sich im Schnitt um über 6 % am Tag. Ein Stopp von 2 % ist also ziemlich schnell gerissen. Wenn man also sagt, man will 200 € riskieren, und setzt in der Aktie 10.000 € ein, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass man noch am selben Tag ausgestoppt wird.

Einmal kann man das verzeihen, aber wenn es öfter passiert, kann man sein Geld gleich aus dem Fenster schmeißen, das hätte ungefähr den selben Effekt. Wenn du 20 % deines Gesamtkapitals verlierst, dann brauchst du bereits 25 %, um wieder auf Null zu kommen. Verlierst du 50 % deines Kontos, musst du mit deinem Restkapital eine Verdopplung schaffen.

Konzentriere dich zuerst auf die Risikobegrenzung. Die Gewinne kommen danach von ganz allein.


2. Die 1‑%-Regel: Der Standard für nachhaltigen Erfolg

Die 1‑%-Regel ist das, was ich oben schon angeschnitten habe, und woran sich fast jeder erfolgreiche Trader hält. Sie arbeiten mit der 1‑%-Regel (oder maximal 3 %-Regel). Das bedeutet, sie riskieren mit einem Trade nie mehr als 1% ihres gesamten Kapitals. Denn jeder gute Trader weiß, wie oft er wirklich richtig und falsch liegt.. Er weiß, dass Verlieren zum Spiel dazugehört.

Sie haben eine Strategie, die sie statistisch überprüft haben, und wissen daher, wie hoch ihre Chancen sind. Und um diese Chancen nutzen zu können, müssen sie im Spiel bleiben. Nur bei mehreren Versuchen entfaltet sich die Statistik.

Es ist das umgekehrte Spiel des Casinos. Hier setzt man alles auf Schwarz oder Weiß und verschwindet dann, egal ob man gewonnen hat oder nicht, denn ab dem zweiten Spiel sind die Chancen gegen einen. (Streng genommen sind die Chancen schon beim ersten Spiel gegen einen (46,85 %), aber es wird auf jeden Fall nicht mehr besser.)

Aber kommen wir zu den Zahlen. Wenn wir die 1‑%-Regel anwenden, bedeutet das, dass wir bei einem 10.000 €-Konto nur maximal 100 € riskieren dürfen. Wenn der nächste logische Stopp weiter weg ist, dann muss die Positionsgröße verkleinert werden.

Der Vorteil dabei ist, dass man selbst bei einer Verlustserie im Spiel bleibt. Eine Verlustserie von 10 Trades kostet dich gerade einmal 10 % des Depots. Das ist ein Verlust, den man verkraften kann, ohne in emotionale Fehlentscheidungen zu kommen. (Revenge-Trading)


3. Die Formel für die perfekte Positionsgröße.

Um dein Risiko genau auf 1 % zu begrenzen, musst du deine Stückzahl an den Abstand zwischen deinem Einstiegspreis und deinem Stop-Loss anpassen.

Demnach lautet die Formel ganz Simpel:

Positionsgröße (Stückzahl)=Gesamtkapital⋅(Risiko in %100)Einstiegspreis−Stop-Loss-Preis\text{Positionsgröße (Stückzahl)} = \frac{\text{Gesamtkapital} \cdot \left(\frac{\text{Risiko in \%}}{100}\right)}{\text{Einstiegspreis} – \text{Stop-Loss-Preis}}

Ein Beispiel:

  • Gesamtkapital: 10.000 €
  • Risiko pro Trade: 1 % (=100 €)
  • Einstiegspreis der Aktie: 150 €
  • Geplanter Stop-Loss: 140 € (Abstand 10 €)
Positionsgröße=10.000 €⋅(1%100)150 €−140 €=100 €10 €=10 Stück\text{Positionsgröße} = \frac{10.000\ \text{€} \cdot \left(\frac{1\%}{100}\right)}{150\ \text{€} – 140\ \text{€}} = \frac{100\ \text{€}}{10\ \text{€}} = 10\ \text{Stück}

Du kaufst in diesem Fall also 10 Aktien. Wenn der Kurs auf 140 € fällt und dein Stop-Loss greift, verlierst du genau die 100 €, also 1 % deines Kontos.

Und nochmal: Wenn du die Positionsgröße schon weißt, bevor du deinen Stop weißt, machst du etwas falsch.


4. Spare dir die Rechnerei: Nutze unseren kostenlosen Rechner!

Wenn du viel tradest, wird diese Rechnerei schnell lästig, aber wir haben eine Lösung für dich. Nutze einfach unser interaktives Utility-Tool, um deine Position zu berechnen.

Jetzt zum kostenlosen Positionsgrößen- & Risiko-Rechner

Gib einfach deine Kontogröße, dein Wunschrisiko und deine Ein- bzw. Ausstiegskurse ein – das Tool berechnet dir in Echtzeit die perfekte Stückzahl für Aktien, CFDs, Indizes oder Krypto.

Und falls du noch die Volatilität mit einbeziehen willst, haben wir hier den Profirechner.

Jetzt zum volatilitätsbasierten Positionsgrößenbestimmungs-Rechner


5. Fazit:

Risikomanagement ist das Fundament jedes dauerhaft erfolgreichen Traders. Mach es dir zur Gewohnheit, vor jedem Trade zuerst das Risiko zu definieren und die Positionsgröße exakt anzupassen.

Ein schlechtes Risikomanagement kann eine gute Strategie in eine schlechte verwandeln, aber ein gutes Risikomanagement kann sogar noch aus einer schlechten Strategie eine profitable machen.

Schreibe einen Kommentar